20 January 2011

Amerikanische Trinkspiele und Nackedeis

Ich bin ja eigentlich noch recht jung, aber seit meinem letzten Geburtstag fühle ich mich der 30 so gefährlich nah, dass ich mir alt vorkomme. Nun gibt es ja bekanntlich drei Strategien, sein wahres Alter zu vertuschen: Sich jugendlich kleiden, die Falten mit Makeup verspachteln oder mit Studenten abhängen.

Die erste Strategie war leider nicht erfolgreich. Mein Student assoziierte meinen Look zwar mit der Schuluniform der Mädels in seiner katholischen Grundschule, aber jünger fühlte ich mich dadurch auch nicht.

Die zweite Strategie ist in meinem Fall noch nicht anwendbar, und so machte ich mich auf, ein paar Studenten kennenzulernen. Ehe ich mich versah, landete ich auf einer Spontan-Party eines Maschbau-Grad-Students (entspricht in etwa einem Doktoranden) in seinem Häuschen auf dem Campus. In einem Anfall von geistiger Umnachtung erwähnte ich, dass es für Amerikaner keinen Sinn ergibt, mit Deutschen Trinkspiele zu spielen. Diese Herausforderung, welche gar nicht als solche gemeint war, ich hab ja nur einen gemeingültigen Fakt ausgesprochen, wurde angenommen, und ich fand mich im Kreis stehend wieder, im Rhythmus zum Lied "Thunderstruck" von ACDC nickend, und reihum solange Bier trinkend, bis das Wort "Thunder" zum nächstenmal fiel. Das Wort fällt recht oft, so dass in den meisten Fällen nur ein kleiner Schluck abfällt, aber ab und zu kommt eine längere Passage zwischen den Donnerschlägen, und derjenige, auf den diese fällt, kann sich glücklich schätzen, wenn er ein Miller Lite (so eine Art Pils mit Kribbelwasser verdünnt) erwischt hat. Oder unglücklich - je nach persönlicher Zielvorgabe.

Dies Spiel verjüngte mich um gefühlte 2 Monate, während alle anderen anfingen, sich wie 22-Jährige zu verhalten. Es folgten weitere, recht anspruchsvolle Trinkspiele, während denen weitere Regeln erfunden wurden. Zum Beispiel durfte man nicht mehr "trinken" oder "Drink" sagen, stattdessen Squirrel (Eichhörnchen). Ich vermute, das ging gegen mich, da sich die Amis gerne über Deutsche lustig machen, weil sie das Wort "Squirrel" nicht vernünftig aussprechen können und sich beim Versuch regelmäßig die Zunge verknoten. Rachsüchtig wie ich bin, hab ich dann die ganze Partygesellschaft die Choreographie zum Fliegerlied ("Und ich flieg, flieg, flieg, wie ein Flieger...") mittanzen und mitsingen lassen. Ein bisschen Bewegung tat uns allen gut und machte uns noch mal 3 gefühlte Jahre jünger.

Die Studenten waren nun also zu jung, um Alkohol trinken zu dürfen, und dies führt ja bekanntlich zu verstärktem Alkoholkonsum ("binge drinking"). Einige unter euch kennen sicherlich das Spiel "Ich hab noch nie...". Dies gibt es hier auch, und es heißt "Never have I ever...". Klingt kompliziert, ist aber so. Grammatikalisch durchaus anspruchsvoll zu später Stunde.

Sehr beunruhigt war ich, als sich auf einmal alle männlichen Gäste bis auf die Unterhose auszogen und raus in den Schnee liefen - ich hatte verpasst, wie irgendwer irgendwen herausgefordert hatte. Zum Glück zogen sie sich danach wieder an. Dieser Gruppenzwang scheint hier sehr üblich zu sein und natürlich hab ich Fotos für euch geschossen - in großartiger Handy-Qualität (und wie immer großklickbar):




Zu guter Letzt wurde Chat-Roulette angeworfen. Ich kannte es vorher nicht, und liebe Eltern und Minderjährige, bitte lest hier nicht weiter!

Beim Chat-Roulette wird man übers Internet per Zufallsgenerator mit Menschen auf der ganzen Welt verbunden, und unterhält sich ("to chat") dann per Videotelefonie mit denen. Meistens wohl nur für wenige Sekunden. Wenn die doof sind, klickt man sie weg, und bekommt die nächste Person auf den Schirm. Man sollte meinen, dass man so ja eine Menge interessanter Leute kennenlernen kann. Die meisten, die da mitspielen, sind aber entweder betrunken, Freaks oder betrunkene Freaks. Wie mir berichtet wurde, zeigen Mitspielende gerne mal ihre Geschlechtsteile vor, und freuen sich sehr über Zuschauer. Es gibt angeblich sogar ein Trinkspiel, welches auf Chat-Roulette basiert, und wann immer man einen P*n*s zu Gesicht bekommt, darf/muss man trinken.

Bevor es aber soweit kam, habe ich schnell nochmal das Fliegerlied angeworfen und damit alle wieder aus dem Cyberspace ins richtige Leben zurückgeholt. Jung und beschwingt ging es dann nach Haus, aber am nächsten Morgen fühlte ich mich dann doch eher wie 30.

2 January 2011

Twenty Eleven

Liebe Leser,
ein neues Princeton Jahr ist angebrochen, und standesgemäß sind Jens und ich in der größten Stadt der Welt (?), in New York, reingerutscht. Der Jetlag legte uns nahe, am Silvesterabend doch lieber früh ins Bett zu gehen, aber dem widersetzten wir uns tapfer und stiegen aufgehübscht gegen 17 Uhr in den Zug gen New York. Diese Idee hatten auch noch andere, und wie mir berichtet wurde, verbringt wohl die halbe Bevölkerung New Jerseys den Jahreswechsel in New York City am Times Square. Man kennt das ja vielleicht aus dem Fernsehen, die riesigen Displays und die Discokugel, die um Mitternacht herunter schwebt.
Wir dachten uns, dass wir ja schon immer mal nach Brooklyn wollten, das ist angeblich wie Manhattan, nur günstiger. Und so fanden wir dort ein kleines italienisches Restaurant mit sehr guter Pizza und karierten Tischdecken. Anschließend liefen wir Richtung Brooklyn Bridge, immer sichergehend, dass wir nicht versehentlich in einem schlechten Viertel landen. Stattdessen fanden wir ein ziemlich cooles Viertel. Zwischen Brooklyn- und Manhattan-Bridge, in Brooklyn am East River gibt's nette Bars, und in einer von ihnen genehmigte ich mir eine Grapefruitsaftschorle und Jens ein Bier. Ein betrunkener Künstler unterhielt uns nett, und die Zeit bis Mitternacht verging wie im Flug. Der Barkeeper wollte für mein Getränk kein Geld haben, und ein Pint Bier kostete auch nur $5. Um Mitternacht spazierten wir dann über die Brooklyn Bridge, hatten einen großartigen Blick Richtung Freiheitsstatue und auf ein Feuerwerk über Staten Island. Auf der Brücke wurden Sektflaschen geköpft - die Polizei schützte ja die Mengen am Times Square und war daher beschäftigt - und auf der anderen Seite ging es dann zurück in die U-Bahn, zum Bahnhof und zurück nach Princeton. Heute wurden wir dann von ganz besonderen Neujahrswünschen überrascht und ich nehme mir mal die Freiheit, das Kunstwerk hier zu veröffentlichen. Danke liebe Braunschweiger!!



Ich wünsche allen ein großartiges 2011, für viele ein besonders spannendes Jahr!