23 November 2011

Thanksgiving droht (dreifach) 2

Party Nummer 2 findet am Freitag bei Owen statt, einem kanadischen Grad-Student, Freund von Sallys Freund, und Gastgeber der stromlosen Halloweenparty letzten Monat. In Kanada wird Thanksgiving zwar auch gefeiert, allerdings schon im Oktober, so dass Owen traditionsmäßig jedes Jahr diejenigen Freunde einlädt, welche (mutmaßlich) keine andere Gelegenheit zum Truthahnessen haben, und/oder das lange Wochenende in Princeton verbringen, anstatt ihre Familie zu besuchen. Da werden einige Europäer dabei sein, vermute ich. Über das Menü kann ich leider keine weitere Auskunft geben, aber es geht nachmittags mit Rotwein am offenen Kamin los.

Menü Nr. 2:

"all major thanksgiving dishes"

Ich werde entweder Breadpudding beisteuern, mein amerikanisches Lieblingsdessert, oder Pumpkin-Bread, weil ich das sowieso für mein T-Dinner am Samstag machen werde.

22 November 2011

Thanksgiving droht (dreifach) 1

Donnerstag ist Thanksgiving, wohl der wichtigste Familien-Feiertag in den USA. Man zelebriert die Gastfreundschaft der Indianer, welche damals die Pilger sehr großzügig willkommen geheißen und mit ihnen eine fette Party gefeiert haben. Oder so ähnlich. Man weiß ja, wie das endete, aber gut. Ein Truthahn kam in der Geschichte sicherlich auch vor, zumindest ist er hier der Mittelpunkt jedes Thanksgiving Dinners. Mein chinesischer Laborkollege wird Thanksgiving auf chinesisch feiern: Es gibt Truthahn und chinesische Beilagen. Den Truthahn wird wohl niemand anrühreren, aber der ist auch meistens eh trocken.

Ich werde Thanksgiving diese Jahr dreifach feiern. Am Donnerstag starte ich mit einem traditionellen T-Dinner bei Grayson und Peter, die ich vom Tanzen kenne. Sie ist Anwältin für Menschenrechte, er ist Physikprofessor, und sie haben eine 13jährige Tochter. Außerdem werden noch einige weitere, italienische und kanadische Physiker samt Familien dabei sein, sowie zwei kolumbianische Spanischlehrerinnen. Peter erzählte mir, dass sie im letzten Jahr ihren Turkey in Brand gesetzt haben, es klingt also sehr vielversprechend.

Menü Nr. 1:

"Turkey, gravy, cranberry
Butternut squash with rice
Green beans
Sweet potatoes
Pies (apple and pecan)"

Ich werde einen Ziegenkäse/Blattsalat/Birnen/Walnuss-Salat beisteuern.

20 November 2011

Faulomat

Es ist Sonntag, die Sonne scheint, draußen sind es 17°C, und ich stand heute morgen um 7 Uhr auf und bin laufen gegangen. Bin seit Wochen verschnupft und hatte das bisher als willkommene Ausrede genutzt kaum Sport zu machen. Nun hat meine Omi aber immer gesagt, man solle den Schnupfen ignorieren, dann geht er am schnellsten wieder weg. Und ich stimme dem zu, Bewegung an der frischen Luft hilft, und deshalb erkläre ich mich ab heute für gesund. Außerdem hatte ich am Freitag zum ersten Mal in meinem Leben SEITENSTICHE BEIM TANZEN. Genau, so unfit bin ich. Ab heute wird also wieder fleißig gesportelt.

Edit: Und ich war gar nicht mal soo langsam beim Laufen!

17 November 2011

Girlfriends

In den letzten vier Wochen bin ich jeden Dienstagabend mit drei anderen Mädels nach Philadelphia zum Tanzen gefahren. Ich bin ja schon voll das Mädchen geworden, seitdem ich in den USA bin, aber die acht jeweils einstündigen Fahrten haben dem nochmal einen weiteren Schub gegeben.

Ich habe mich lang und breit über unsere männlichen Mittänzer ausgelassen, diskutiert, wer wen cute findet, Nagellack ausgetauscht, wurde zur Pyjama-Party eingeladen, plane eine Girls' Night Out und habe einige tolle Links für die Mädchen unter meinen Lesern:

+ Pinterest
+ All Lacquered Up
+ Vintage Vixen

Viel Spaß, Ladies!

11 November 2011

Studien-Schulden

Jeder weiß, dass man in den USA unvorstellbar hohe Studiengebühren bezahlen muss. In Princeton sind es knapp $50.000 pro Jahr, also etwa 37.000€. Das ist natürlich das obere Ende der Fahnenstange, und es gibt große Unterschiede zwischen staatlichen und privaten Unis, außerdem (Teil-)Stipendien. Aber jeder einzelne Amerikaner grob in meiner Altersgruppe, den ich hier kennengelernt habe, hat im Studium Schulden (Student Loans) angehäuft. Eine meiner Freundinnen erzählte mir gestern, dass sie wegen Teilstipendien und Jobs mit "nur" $15.000 Schulden ihren Bachelor abschließen konnte. In einem anderen Fall ist es besonders tragisch, wie ich finde. Diese Freundin von mir ist Teacher Assistant in einer Grundschule in Trenton, einem ganz üblen Ort mit überwiegend Problemkindern. Sie macht ihren Job gerne und gut. Sie ist so alt wie ich und hat ihr Masterstudium begonnen, um die Lehrerausbildung abzuschließen. Sie kann es sich aber derzeit nicht leisten, das letzte Jahr ihres Masterstudiums zu beginnen, weil sie dann keine Zeit mehr zum Arbeiten hätte, um für Miete und Lebensmittel aufzukommen. Das ist unvorstellbar in Deutschland, da man kaum Studiengebühren zahlen muss und schon alleine wegen des lockereren Studiums eigentlich immer ein bisschen Zeit hat, nebenbei zumindest einem kleinen Nebenjob nachzugehen. Außer natürlich man hat Kinder oder andere familiäre Verpflichtungen. Seitdem mir das klar geworden ist, fällt es mir ein wenig schwerer, meine Vorfreude auf meinen Big Trip so plakativ vor mir herzutragen.

8 November 2011

Heute in Princeton

Am Sonntag haben auch wir hier in Amerika dann mal die Uhren umgestellt. Das heißt, um 5 Uhr nachmittags geht die Sonne schon unter:
Ein Stündchen früher wollte ich während einer Kaffeepause bei etwa 20 °C die Sonne genießen. Direkt neben meinem Institutsgebäude (und fernab von einer Straße oder wenigstens einem Weg) fand ich dies hier vor. Anscheinend ist einer der Professoren zu faul gewesen, die 20 m vom Parkhaus zu Fuß zu laufen.
Mein Buddy, der das Foto machte, meinte, er würde mich zum ersten Mal in Hosen sehen - und wir kennen uns seit etwa 9 Monaten!

7 November 2011

Gestern in New York...

... bin ich ein bisschen durch die Stadt gelaufen und habe den Bryant Park (Nähe Times Square) für mich entdeckt. Dort gibt es eine Eislaufbahn, Buden, und wenn der Glühwein nicht fehlen würde, wäre es fast Weihnachtsmarktstimmung.

Klickt mal das Foto groß, meine kleine Kamera hat ein impressionistisches Kunstwerk geschaffen:

3 November 2011

Moot

Es sieht so aus, als wäre meine Forschung der letzten Monate mal wieder vergebens gewesen. Mein Boss wollte gerne ein Nature Paper veröffentlichen, basierend auf erstaunlichen Forschungsergebnissen einer unserer Doktorandinnen, die inzwischen graduiert und und einen Job in der Industrie angefangen hat. Ich habe die letzten Monate damit verbracht, die Ursachen für ihre Forschungsergebnisse zu finden, und dann schließlich versucht, ihre Daten zu reproduzieren. Letzteres hätte ich wohl besser zuerst getan, denn bisher ist es mir einfach nicht gelungen. Ich habe ihr Experiment so genau wie möglich kopiert, bekomme aber nicht dieselben Ergebnisse, sondern nur eine extrem abgeschwächte, und damit unbeeindruckende Version. Mich persönlich belastet das nicht sonderlich, aber ich muss nun meinem Boss erklären, dass aus dem Nature Paper nichts wird und dass ich meine Arbeitskraft in den letzten Monaten besser für etwas anderes, Produktiveres, verwendet hätte.

1 November 2011

Oktober rockt!

854 Seitenaufrufe im Oktober, Besucherrekord!

31 October 2011

Herbst?

Die Aussicht am Sonntagnachmittag von meinem Bürofenster aus:


30 October 2011

Halloween 2

Ach Mensch, da schneit es mal wieder ein bisschen, und schon ist die Rede von Schneesturm, Schneechaos, Millionen von Stromausfällen Betroffenen und sturmbedingten Todesopfern, die aber eigentlich beim Anblick eines durch das Schneegewicht herabgefallenen Astes einem Herzinfarkt erlegen sind.

Wir hatten es jedenfalls schön warm und gemütlich zu Hause. "Wir" waren eine zusammengewürfelte Gruppe aus Mitwohnis und teilweise stromlosen Freunden. Es gab lecker Glühwein, und nur zögerlich machten wir uns auf zur stromlosen Party. Wir hatten glücklicherweise einen (Hin-)Fahrer. Glücklicherweise deswegen, da nicht alle mit Gummistiefeln ausgestattet waren. Ich brachte meine batteriebetriebene iPod/iPhone-Musikbox mit, sowie eine extra Mütze und extra Schuhe. Auf dem Weg dorthin stoppten wir nochmal am Ivy Inn, wo ich mir noch Requisiten für mein Kostüm abholen wollte, Bierdeckel. Ich bin diesmal nämlich nicht als Poison Ivy gegangen, sondern als Ivy Inn. Die Idee war, einerseits wie eine der typischen Kundinnen auszusehen (Mitte 40, einsam, auf der Suche nach einem Bettgefährten, zu blond, zu gebräunt, zu viel Make-Up, zeigt zviel Haut), und andererseits auch das Besondere am Ivy wiederzugeben. Und da ich meinen Mitmenschen nicht genügend botanische Kenntnisse zutraute, hängte ich mir neben der Efeu(=Ivy)-Stola auch noch ein Schild "Ivy Inn" um.

Aber das war eh alles wurscht, war ja dunkel bei der Party. Nett war es trotzdem, und eine Zeitlang auch warm genug, sie hatten einen offenen Kamin, Snacks und kalte Getränke. Als es aber zu kalt wurde, nahmen wir uns ein Taxi nach Haus ins Warme.

Hier versuche ich zu Hause auf unserer Couch meinem Kostüm entsprechend besonders "needy" auszusehen. Ich sehe aber ein, dass es mir nicht besonders gut gelingt.



29 October 2011

Wintereinbruch

Krass, es schneit!! Den ganzen Tag schon. Die ersten meiner Freunde haben Stromausfall, da mal wieder Baeume auf Stromleitungen gefallen sind, und fallen hier ein. Denn wir an der Nassau Street, Princetons Lebensader, haben natuerlich noch Strom. Die Halloween-Party heute abend findet in einem Haus statt, welches etwa 1.5 km von hier entfernt, also (fuer Kontinentaleuropaeer) gut zu Fuss zu erreichen ist. Die Jungs, die die Party organisieren, teilten gerade ueber Facebook mit, dass sie zwar keinen Strom haben, die Party aber trotzdem stattfindet. Die Gaeste sollten Lichtquellen und batteriebetriebene Musikanlagen mitbringen. Wir machen es uns aber erstmal bei uns im Warmen bei Licht, Musik und Gluehwein gemuetlich, und entscheiden dann spaeter, ob wir tatsaechlich noch durch den Schnee wandern wollen.

28 October 2011

Dentales

Mein Zahnarzt hier ist ein wenig seltsam, aber meine Krankenversicherung hat das letzte Mal alles bezahlt, von den Röntgenbildern bis hin zur Zahnreinigung, daher will ich mich nicht beschweren. Außerdem gab es zum Abschied eine Zahnbürste mit den Insignien des Doktors, sowie jeweils eine kleine Packung Zahnpasta und Zahnseide. Und Dinge für umsonst sind ja immer toll.

Beim letzten Mal kümmerte sich für etwa 30 Minuten eine nette junge Frau um mich, nahm die Röntgenbilder auf, führte die Zahnreinigung durch, usw. Erst im Anschluss hatte ich dann für 5 Minuten lang mit dem etwa 60-jährigen Herrn Doktor höchstpersönlich zu tun. Er schaute sich kurz die Zähne an (und berechnete dafür später $57) und kommentierte dann die Tatsache, dass ich auf einem Herrenfahrrad in einem Kleid zur Praxis geradelt sei. Das fühlte sich schon ein wenig unangebracht an, aber ich bin ja nicht zimperlich.

Gestern beim zweiten Termin, als ich ihn nach der 25-minütigen eigentlichen Behandlung durch die junge Frau endlich zu Gesicht bekam, kommentierte er meine Stiefel und fragte mich, warum Stiefel eigentlich sexy seien. WTF?!?

27 October 2011

Weihnachten

Die Halloween-Zeit ist fast vorbei, Thanksgiving nähert sich in Riesenschritten und für Samstag ist der erste Frost angesagt. WEIHNACHTEN steht vor der Tür! Und an Weihnachten komme ich nach Hause und hoffe, mit möglichst vielen von euch einen Glühwein zu trinken!

Leider wird es in diesem Jahr wieder ein Kurzaufenthalt, da ich erst am 23.12. ankomme und schon am 30.12. morgens wieder abzische. Ich würde mich aber sehr freuen, den einen oder anderen zwischen dem 24. und 29.12. in Norddeutschland (z.B. in Braunschweig) anzutreffen!

24 October 2011

Halloween 1

Meine erste Halloweenparty des Jahres war prima. Wir trafen uns zum Vorglühen (oder pre-gaming, wie der Amerikaner sagt) bei uns zu Hause, gingen angeheitert genug, um sich nicht zu doll in der Öffentlichkeit zu schämen, zur Party, feierten dort und anschließend zum Ausglühen noch ein bisschen bei uns zu Hause. Ich war Poison Ivy (aus Batman), beziehungsweise das Ivy, meine Lieblingskneipe. Und ja, das Kostüm ist skandalös kurz.





23 October 2011

An alle, die gerade auf Jobsuche sind. ..

... ich hoffe, es laeuft gut bei euch und ich wuensche euch ganz viel Glueck! Ich weiss, dass nicht jeder in der Position ist, die Geschichte so ernstlos anzugehen, wie ich es gerade tue. Aber glaubt mir, in einem Jahr, wenn ich wirklich auf der Suche sein werde, habe ich bestimmt eine andere Einstellung.

22 October 2011

Chicago 3c - Working for the Good Guys

Ich war fest entschlossen, mich bei meinem Vorstellungsgespraech mit Cummins zu amuesieren. Ich war sogar noch uninteressierter an einem Job bei dieser Firma, von der ich noch nie etwas gehoert hatte, als an einem Job bei Chrysler, wo ich zumindest eine Vorstellung von moeglichen Taetigkeiten hatte. Ich habe ja nicht umsonst knapp 10 Jahre in VW-Werknaehe gewohnt und die Haelfte der Zeit mit Elektrotechnikern zu tun gehabt.

Ich traf auf Matt, ein Manager um die 40 mit technischem Hintergrund und PhD. Er stellte mir keine einzige Frage, die nicht konkret mit dem Job zu tun hatte. Wir spielten also diesmal nicht das typische Vorstellungsgespraech-Spiel, dessen Regeln ich ablehne zu lernen. Zumindest im Moment noch, wo ich es mir leisten kann. Matt war nicht so lustig wie die beiden Ladies zuvor, war aber auch zum Glueck nicht komplett immun gegen meine Jokes, mit denen ich ja immer gerne das Eis zu brechen versuche. Die erste Frage war, was ich ueber Cummins wisse. Ich wusste, dass sie Motoren und Generatoren bauten. Er erzaehlte mir noch ein bisschen mehr ueber die Struktur der Firma, und in welcher Abteilung er sei, dieselbe Abteilung, fuer die er mich interessant fand. Wir sprachen ueber meinen Lebenslauf. Offenbar ist es ein richtiger Bonus, Materialwissenschaftler mit Chemie-Hintergrund zu sein. Mir war ja frueher nie so richtig klar, ob es vorteilhaft sei, von der Chemie zum Ingenieurwesen zu wechseln, aber fuer Industriejobs hat es sich jetzt als eine sehr gute Entscheidung erwiesen. Das Problem in der industriellen Forschung ist naemlich die Kommunikation zwischen (Natur-)Wissenschaftlern und Ingenieuren. Ja, da kann ich ein Lied von singen, waehrend meiner Promotion ist mir das doch auch bei der einen oder anderen Gelegenheit aufgefallen. Oder jeden Tag.

Ich habe bisher ausschliesslich mit optischen Glaesern gearbeitet. Daher fragte mich Matt, ob ich mich auch bei Corning beworben haette. Ich bestaetigte dies, und er meinte, dass das ja die perfekte Firma fuer meinen Lebenslauf sei, aber dass ich ja alternativ auch etwas komplett anderes machen koennte. Und ob diese Herausforderung nicht interessanter fuer mich sei. Bei ihm wuerde ich an Katalysatoren fuer Verbrennungsmotoren arbeiten. Das oeffnete mir ein wenig die Augen, denn bisher dachte ich, dass Firmen lieber Bewerber einstellen, die schon ein wenig ueber den zukuenftigen Job wissen und etwas Erfahrung auf dem Gebiet mitbringen. Aber nein, zumindest auf PhD-Level fuer Positionen in der Forschung/Entwicklung reicht es, wenn man zeigt, dass man wissenschaftlich forschen kann (= Publikationen), grob im richtigen Fachgebiet gearbeitet hat, motiviert und dann noch halbwegs sozialkompetent ist, worueber man ja im Vorstellungsgespraech einen Eindruck vermitteln kann. Alles andere kann man lernen. Das eroeffnet mir so viele Moeglichkeiten! Im Grunde kann ich jetzt fast ueberall in der Industrie arbeiten, denn Materialforschung gibt es in jeder groesseren Engineering-Firma.
Ich gab freimuetig zu, dass ich keine Ahnung haette, wie mein Job bei ihnen aussehen wuerde, dass ich nur Forschung an der Uni kenne, und dass ich aber durchaus offen fuer was Neues sei. Ausserdem sagte ich ihm noch, dass ich gerne fuer die good guys arbeiten wuerde, und ich noch nicht wuesste, ob Cummins dazugehoere. Ja, ernsthaft. Roxanne hat sich kaputt gelacht ueber meinen Idealismus, als ich ihr es spaeter erzaehlte.

Matt bat mich, ihn in ein paar Wochen anzurufen, wenn ich mehr ueber den Fortschritt meiner Bewerbungen bei Owens Corning und Corning wuesste und noch interessiert sei. Er gab mir seine Karte, obwohl er das wohl sonst nie taete. (Ich war neugierig und fragte, warum. Anscheinend ueberschwemmen ihn die Bewerber wohl mit E-mails) Habe ihm dann spaeter (mit schlechtem Gewissen) trotzdem eine Thank-You-Note gemailt, das macht man hier so.

21 October 2011

Chicago 3b

Über Ohio hörte man in den letzten Tagen nichts Gutes. Zum einen hat dort wohl vor kurzem jemand Suizid begangen und vorher noch seine Sammlung an Tigern, Löwen, usw. "in die Freiheit" entlassen. Die wurden alle von der Polizei erschossen, bis auf einen Wolf und einen Affen, die sich bisher noch verstecken konnten. Außerdem gab es da noch diesen Vorfall mit den Amish-Leuten, bei dem eine Gruppe von Amish einen Familienvater (ebenfalls Amish) zu Hause aufgesucht und mit Gewalt seinen Bart abgeschnitten hat.

Nachrichten dieser Art schickt mir Sally zu, seit ich ihr vom anhaltenden Interesse der Firma Owens Corning berichtet habe. Die stellen nämlich eigentlich nur Amerikaner ein, da ihnen das Arbeitsvisum-Verfahren mit Ausländern zu mühselig ist. Sie fanden meinen Lebenslauf aber trotzdem so interessant, dass sie mir vorschlugen, mich für ein Jahr in die Pampa nach Ohio zu schicken und in dieser Zeit mein Visum zu sponsern, mich aber anschließend nach Südostfrankreich (nahe Lyon und Genf) zu versetzen. Nun habe ich mich mit ihnen für nächste Woche zum Telefoninterview verabredet. Das wird mein erstes echtes Jobinterview.

Die Jobinterviews in Chicago waren hingegen ein Witz.

Im Sinne von sehr lustig. Ich hatte weder Zeit noch war ich sonderlich motiviert mich vorzubereiten. Ich hatte ein wenig die Befürchtung, mich zu blamieren, und zu offensichtlich die Zeit meiner Interviewer zu verschwenden, aber auf der anderen Seite konnte ich diese einmalige Gelegenheit ein echtes Jobinterview zu üben natürlich nicht ausschlagen. Interview Nr. 1 war mit Chrysler. Tracy hatte dort am selben Tag auch schon ein Interview gehabt und ein anderes Mädel, dass ich kannte, ebenso. Ihnen wurden dieselben verhaltenspsychologische Fragen gestellt. Und welches Chrysler Auto sie am liebsten mögen. Ich ging also zum Chrysler-Stand, traf dort Sandy aus der Personalabteilung und Kathy aus der "Feature Planning Group", was auch immer das heißt, zumindest schien sie mir von Fach zu sein. Sie stellten sich mir vor, und dann gingen wir zusammen in einen kleinen Interviewraum. Die beiden waren sehr gut gelaunt, und ich hatte fast das Gefühl, sie hätten schon den einen oder anderen Guten-Morgen-Sekt hinter sich. Wer weiß.

Sie stellten sich beide vor und erzählten jeweils ein bisschen was über ihren Lebenslauf. Ich erzählte ihnen gleich mal ungefragt, dass ich ja den Jeep ganz gerne mag. (Das einzige Auto von Chrysler, das ich auf der Straße erkennen würde.) Sie erklärten mir dann, dass sie ihren Kandidaten drei Fragen stellen würden, woraufhin ich sagte, dass ich das bereits wisse. Das fanden sie sehr amüsant und fragten, ob ich schon die Antworten vorbereitet hätte. Das war der Fall, so dass wir diesen Teil schnell abhaken konnten. Allerdings hatte ich mich nur halbherzig darauf vorbereitet, und bin wohl auch nicht übermäßig gut dabei weggekommen. Ein Beispiel: Ich sollte eine Situation beschreiben, in der ein Problem aufgetreten ist, und wie dieses dann gelöst wurde, bzw. was meine Rolle dabei war. Die anderen beiden Fragen waren ähnlich. Ich habe dann über experimentelle Schwierigkeiten im Labor berichtet, sowie über meine anfänglichen interkulturellen Probleme mit einem meiner Doktoranden. Man sollte sich natürlich eine Story aussuchen, in der man gut dasteht.

Wir plauderten dann noch ein wenig über mögliche Jobs, und an den Rest erinnere ich mich leider gar nicht mehr so detailliert. Ich glaube, sie wollten sich innerhalb von ein paar Wochen melden, falls sie etwas für mich hätten. Es war insgesamt eine sehr nette und lustige Atmosphäre, während der ich mich insgeheim selbst beobachten konnte, da ich wirklich nicht nervös war. Jetzt im Nachhinein würde ich sagen, dass ich mit mehr Vorbereitung einen besseren Eindruck hätte vermitteln können. Ich verhaspelte mich ein wenig bei der Frage, warum ich keine akademische Laufbahn verfolge. "Ist mir zu anstrengend" ist jedenfalls keine gute Antwort, das ist selbst mir klar. Ich denke nicht, dass sie meine "Bewerbung" weiterverfolgen werden.

Und morgen, in Chicago 3c, berichte ich über mein Vorstellungsgepräch mit Cummins.