28 August 2010

Philly

Die Stadt Philadelphia ist berühmt für ihr Philly Cheese Steak und berüchtigt für ihre hohe Mordrate. Letzteres hielt uns aber nicht davon ab, ersteres auszuprobieren, und so fuhren Jens, Michael und ich am Samstag mit dem Zug nach Philadelphia. Nach einem ordentlichen Fußmarsch durchs italienische Viertel erreichten wir einen der drei berühmten Cheese Steak Places, Geno's, welcher schon von weitem durch die lange Schlange zu erkennen war. Ein Philly Cheese Steak ist ein kleingehäckseltes Stück Fleisch (Tierart war nicht eindeutig zuzuordnen) mit Käse (z.B. Provolone oder halbflüssiger "American Cheese") im länglichen Brötchen. Dem kann man noch bei Bedarf Zwiebeln und Ketchup zufügen und erhält somit den Döner à la Philly und glückliche Gesichter:



Nachdem nun also der eigentliche Zweck des Ausflugs erledigt war, konnten wir uns noch ein wenig den Rest der Stadt anschauen. Es gibt dort jede Menge historisch wichtige Gebäude, und in Philly wurde auch die Unabhängigkeitserklärung beschlossen:



Um der Würde der Stadt Rechnung zu tragen, kleideten wir uns schließlich noch entsprechend ein:



Und beim letzten Foto zeigte eine Passantin Erbarmen, die unsere hilflosen Versuche, uns mit einem iPhone selbst zu fotografieren, nicht länger mit ansehen konnte:

15 August 2010

Birthday-Blog

Liebe Leser,
ich habe euch ein wenig vernachlässigt in den letzten Wochen, deshalb lasse ich heute mal den Strand Strand sein und haue stattdessen ein wenig in die Tasten - übrigens war ich auch gestern schon am Strand und heute 3 Stunden Paddeln - ist zwar nicht MeckPomm, aber dafür gibt's hier Schildkröten und Adler. Jetzt regnet es und ich werde ein wenig über meine Geburtstagsparty berichten.

Es war nichts geplant, da ich die Woche vorher in Texas verbracht hatte. In meinem Forschungsprojekt ist einmal jährlich ein großer Workshop vorgesehen, bei dem sich alle Mitglieder treffen und über Wissenschaft reden. Dies Jahr waren die Jungs und Mädels von der Rice University in Houston an der Reihe, alles zu organisieren. Wer sich hier ein wenig auskennt, kann sich sicher etwas Schöneres vorstellen, als den August in Texas zu verbringen - Temperaturen um die 38 °C bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit sind nicht unbedingt übermäßig angenehm. Der Workshop war aber trotzdem richtig gut, da ich nun viel besser Bescheid weiß, worum es bei unser Forschung eigentlich geht und was da gerade Stand der Wissenschaft ist, und weil ich eine richtig gute Zeit hatte. Ich war dort mehr oder weniger alleine unter Fremden und habe sehr schnell verschiedenste Menschen kennengelernt - vom Highschool-Schüler zum Professor. Und ich hatte ein großartiges Dinner am Golf von Mexiko bei Sonnenuntergang:



Nun kam ich also Freitagnacht in Newark am Flughafen an, und Jens und Nick hatten sich netterweise dazu bereit erklärt, mich von dort abzuholen. Mein Flug war verspätet, weil es auf dem vorhergehenden Flug mit diesem Flugzeug Einträge ins Logbuch gegeben hat - was wohl nicht gut ist - und dann einige Sachen gecheckt werden mussten. Manchmal möchte man diese Details gar nicht wissen. Gegen Mitternacht bin ich dann gelandet und die Jungs begrüßten mich mit einem Stück Cheesecake, welches für mich vom letzten Geburtstag (Roomie Nr. 3 hatte kurz vorher Geburtstag) aufgehoben wurde. Das war genau das Richtige nach einem Flug, wo es als "Snack" nur einen american-sized Cheeseburger mit Chips und Cookie gab.

Die Jungs mussten dann schnell ins Bett, weil sie sich für den nächsten Tag für eine Fahrradtour in der Nähe von Princeton angemeldet hatten. Ich konnte aber ausschlafen, Wäsche waschen, und mich mental aufs Älterwerden vorbereiten. Als die Jungs nach 80 km radeln fertig waren, ging es mit Franzi und mir an den Strand.


Und nachdem die Sonne untergegangen war:


zu Famous Dave's, einem BBQ-Restaurant:



Satt fuhren wir dann zu den Jungs nach Haus, wo es dann um Mitternacht meinen Geburtstagskuchen gab, Cheesecake:


Am nächsten Tag konnte ich dann mein zum Geburtstag aufgemotztes Fahrrad testfahren:


Und zum guten Abschluss eines großartigen Wochenendes ging es dann am Sonntag mit Franzi und Jens für etwa 4 Stunden ins Shoppingcenter.

Roadtrip - letzter Teil

Im September steht unser nächster Roadtrip an, daher möchte ich nun die Berichterstattung des letztens Roadtrips mit folgendem Gastbeitrag von Jens abschließen (großklickbar):

24 July 2010

Brazilian

Disclaimer: Der folgende Text enthaelt Erwachseneninhalte, sowie Informationen, welche Maenner und andere zarte Seelen moeglicherweise abstossend finden koennten. Wenn das euer Interesse nun erst recht geweckt hat, dann seid ihr zu neugierig als gut fuer euch ist und selbst Schuld.


"Brazilian" heisst es, wenn europaeische Ladies sich in einem Waxing Studio mit Hilfe von warmen Wachs und Stoffstreifen die Intimsphaerezone vollstaendig enthaaren lassen. Paradoxerweise ist diese Frisur in Brasilien gar nicht angesagt, die haben's naemlich lieber "French" oder so, was bedeutet, einen Streifen stehen zu lassen. Aber genug davon, Thema des heutigen Posts ist Waxing, aber nicht in der Intimzone, das war nur der Teaser. Ich habe meine ersten Erfahrungen gesammelt und das ging so:

Ich mag es ja, wenn Fuesse schoen gepflegt aussehen, was nicht immer so einfach ist, wenn man den ganzen Tag nur in Flip Flops herumlaeuft. Letztens erzaehlte mir mein Roomie Paula von der Pedikuere und auch ich selbst hatte schon immer mit dem Gedanken gespielt, mir mal vernuenftigen (=stabilen) Nagellack professionell auf die Fussnaegel malen zu lassen. Dann erzaehlte Jens' Nachbar Raiwo von seiner ersten Pedikuere -ever- und wie entspannend das war. Nun hatte ich auch eine anstrengende Woche hinter mir und seit einigen Wochen wenig Zeit fuer mich und nur mit mir gehabt. Der letzte Tropfen schlug dem Fass den Boden aus und brachte es zum Ueberlaufen, ich war reif fuer eine Belohnung und ein wenig Entspannung.

Also ging ich heute Shoppen und dann ins Nail-Center, wo man mir in einem Massagesessel sitzend die Fuesse einweichte, an meinen Fuessen rummachte (ich erspare meinen Lesern die Details) und schliesslich die gewuenschte Farbe (etwas heller als meine Fussfarbe) in vier Schichten auftrug. Ich war entspannt und das Ergebnis war sehr ansehnlich. Das fand auch die Lady, die dafuer verantwortlich war, allerdings war sie unzufrieden mit meinen Augenbrauen. Nun ja, meine Augenbrauen hab ich von meinem Vater geerbt und jetzt, wo ich die dazu passende Haarfarbe gefunden habe und den Wildwuchs an den offensichtlich falschen Stellen selbst entferne, mag ich sie auch ganz gerne. Zudem hat mit meine Mutti gesagt, NIEMALS die Augenbrauen zu zupfen, denn sie wachsen moeglicherweise nicht nach und dann sieht man fuer immer und ewig scheusslich aus. Andererseits wollte ich aber diesen schoenen Bogen im aeusseren Drittel der Braue haben, welcher laut InStyle die Augen oeffnet - und wer moechte nicht gerne die Augen geoeffnet bekommen! Nach einigem Abwaegen und freundlichem Nachfragen durch die Fusslady und ihrer Versicherung, nach der ersten Augenbraue aufzuhoeren, wenn sie mir nicht gefaellt (!?!), gab ich nach und erklaerte ihr, dass ich ein natuerliches Ergebnis erwarte und sie nur ganz wenig entfernen sollte. Ich schloss meine Augen und versuchte, in den entspannten Status zurueckzukehren, den mir der Massagestuhl verpasst hatte. Ich oeffnete sie erst wieder - vor Schreck - als heisses Wachs auf meinen Nasenruecken, sowie ueber und unter meine Augenbrauen geschmiert wurde. Bevor ich protestieren konnte, landeten auch schon Stoffstreifen auf dem Wachs, welche festgedrueckt und gegen die Haarwuchsrichtung mit Schwung abgezogen wurden. Das war nur kurz schmerzhaft und ich gab mich geschlagen und meinem Schicksal hin. Nach ca. 10 min war alles beendet, und ich habe jetzt zwar keine scheusslichen aber dafuer gewoehnliche 0815-Augenbrauen wie aus der Frauenzeitschrift. Und tatsaechlich hat mir die Aktion die Augen geoeffnet: Ich sollte oefter auf meine Mutti hoeren.

20 July 2010

Wochenend, Sonnenschein

Wie ihr wisst, verläuft meine Standardarbeitswoche sehr angenehm. Meine Forschung ist Chemie (mehr dazu in einem anderen Post) und zum ersten Mal seit Jahren fühle ich mich kompetent auf meinem Gebiet, meinen Chef respektiere ich nicht nur als Wissenschaftler und Gruppenleiter, sondern schätze ihn auch als Mensch. Aber was noch besser ist als zu arbeiten, sind die WOCHENENDEN. Die sind nämlich durchaus großartig und das muss man dann auch mal groß schreiben.

Letztes Wochenende gab es am Freitag nach einem langen Arbeitstag erstmal ein zünftiges deutsches Abendbrot - allerdings draußen in Jens' Garten. Seine Roomies waren mit von der Partie und später kam dann auch noch ein Nachbar dazu. Mein iPhone sorgte für musikalische Untermalung und eine Menge Wein für eine Menge Entspannung



Auch die Moskitos hattten ihren Spass. Wegen des grossen Erfolgs, wurde diese Aktion am naechsten Abend wiederholt, dabei aber um selbstgemachte Pizza gepimpt. Nick hatte um meine Expertise gebeten, da ich erwiesenermassen die beste Koechin im Haus und die anderen Jungs Laufen waren. Ich machte mich also an den Teig, waehrend Nick ploetzlich verschwunden war. Nachdem der anstrengende Part - Hefeteig kneten bei knapp 40 C - vorbei war, tauchte er dann aber wieder auf und machte sich an den Belag, eine australische Spezialitaet: Lachsfilet, Ziegenfrischkaese und Kapern - uebrigens eine Spitzenkombi! Da im Hause Matthews Kochen auch immer mit einer Zelebrierung des Essens, der Getraenke, der Koeche und der Niblis* einhergeht, kam die erste Pizza gegen 22 Uhr aus dem Ofen. Es wurde also wieder spaet, und am naechsten Tag blieben mir nur wenige Stunden fuers Labor, denn es ging ja noch an den Strand.

Der Strand am Sonntag war sehr sonnig, kaum windig und die Wellen recht aggressiv. Das war solange ein Riesenspass, bis es mir nicht mehr gelang, das Meer zu verlassen, da die Wellen mir auf den letzten Metern immer die Fuesse unterm Boden wegrissen, so dass ich sitzenderweise in der Brandung hin- und herrutschte. Dabei hatte ich zwei Probleme: Erstens war meine Bikinihose voll mit kleinen Steinchen, was mich etwa ein halbes Kilo schwerer machte und dazu auch noch ziemlich albern aussah. Und zweitens waren die Wellen so maechtig, dass mein Bikinioberteil nicht mehr sehr verlaesslich an seinem Platz hielt und ich mich langsam fragte, ob ich mich eigentlich gerade strafbar machte - man wird hier schon fuer weniger in Handschellen abgefuehrt. Letztlich gelang es mir dann aber doch, das Wasser zu verlassen - anders als einem uebergewichtigen Herrn, den zwei Lifeguards und eine weitere Person schieben mussten, weil er es alleine nicht schaffte.

Insgesamt also ein super Wochenende, das von einem Besuch beim Lieblingsmexikaner Jose Tejas mit frozen Margaritas abgeschlossen wurde. Und im Lab hab ich auch eine Menge geschafft.

Was mache ich so

Ich habe ja schonmal angedeutet, dass ich wieder Chemie mache, aber fuer die, die's ganz genau wissen wollen, folgt hier nun eine kleine Vorstellung meiner Arbeit.

Ich arbeite in einem grossem, NSF-gefoerdeten Forschungsverbund, der MIRTHE heisst - Mid-Infrared Technologies for Health and the Environment. Da arbeiten mehrere Unis in den USA sowie einige Firmen mit, und allesamt treffen sich einmal im jahr beim Summer Workshop - dies Jahr in Houston, Texas, in der ersten Augustwoche. MIRTHE kann man gugeln und dann sieht man, worum es geht. Kurz gesagt geht es um die Verwirklichung von kleinen Gasdetektoren, die entweder Treibhausgasemissionen oder Stoffe in der Atemluft detektieren koennen, welche auf Krankheiten hinweisen. Diese Art Gase absorbieren Infrarotstrahlung. Das bedeutet, dass in einem Gefaess mit dem jeweiligen Gas, welches von einer Seite mit Infrarotstrahlung beleuchtet wird, auf der anderen Seite bestimmte Infrarot-Wellen deutlich schwaecher ankommen. Je nachdem, welche Wellen abgeschwaecht werden, gibt Informationen darueber, um welches Gas es sich handelt, und je nachdem, wie stark die Abschwaechung ist, zeigt, wieviel von diesem Gas sich in dem Gefaess befindet.

Man kann dieses Gefaess nun sehr klein bauen. Sehr, sehr klein. Mikrometer klein. Und als Infrarotstrahlung nimmt man einen ebenfalls sehr kleinen Laser zur Hand. Diese Laser machen einen grossen Anteil der MIRTHE-Forschung in Princeton aus, da gibt es zum Beispiel die Professorin Claire Gmachl, die auf dem Gebiet der Quantenkaskadenlaser sehr erfolgreich ist. Ihr hatte ich damals meine Bewerbung geschickt, die sie an meinen jetzigen Boss, Craig Arnold, weiterleitete.
Nun hat man aber zwischen dem Laser und dem Gas-Gefaess konstruktionsbedingt oft einen gewissen Abstand, den man nicht so gerne mit Luft fuellen moechte, denn das CO2 und das Wasser in normaler Luft schwaechen manche Infrarotwellen auch deutlich ab und stoeren dadurch die Messung. Zudem moechte man die infrarote Laserstrahlung auch gerne zum Gefaess hinfuehren und nicht, dass sie sich auf dem Weg dorthin in alle Richtungen verteilt und man immer weniger Intensitaet zur Verfuegung hat.

Deshalb gibt es Wellenleiter. Die kann man sich wie Rohre fuer die Laserstrahlen vorstellen. In Wellenleitern werden die Strahlen an den Waenden reflektiert, verlieren nur sehr wenig Intensitaet und koennen sogar in Kurven gefuehrt werden oder in Abzweigungen geteilt werden. Wellenleiter-"Rohre" sind allerdings nicht hohl sondern massiv und sind in kleinen Bauteilen, wie den Gas-Sensoren, auch meistens nicht rund, sondern haben einen rechteckigen Querschnitt. Sie ähneln eigentlich eher dicken Brettern als Rohren - nur eben wenig Mikrometer groß. Dass die Strahlung in den massiven Wellenleitern gefuehrt wird, liegt an den besonderen Materialeigenschaften der Wellenleiter, insbesondere ihrem hohen Brechungsindex. Der sorgt dafuer, dass die Laserstrahlen an der Grenzflaeche zwischen Wellenleitermaterial und Umgebung (z.B. Luft) reflektiert werden, ohne, dass es irgendeine Art von Rohrwand geben muss. Und bei dem Material kommt meine Gruppe ins Spiel. Es gibt Materialien fuer Wellenleiter fuer sichtbare Strahlung (Licht), z. B. Fensterglas, denn da kommt eindeutig Licht durch. Durch sehr duenne Glasfasern aus Fensterglas oder transparenten Plastik kann man auch Licht leiten. Durch Fensterglas kommt allerdings die fuer uns interessante Infrarotstrahlung nur in sehr begrenztem Masse durch. Besser ist z.B. Fluoridglas, an dem ich frueher gearbeitet habe. Und fuer den Wellenlaengenbereich, welcher mittleres Infrarot heisst, ist Chalcogenidglas prima. Das besteht im Gegensatz zu "normalem" Glas nicht aus Metalloxiden, sondern aus Metallchalcogeniden, also Sulfiden, Seleniden, Telluriden. Das Ziel ist nun, aus diesen Rohmaterialien Glasfilme herzustellen, aus denen dann Wellenleiter gemacht werden - dabei ätzt man z. B. einfach alles vom Film weg, was man nicht braucht und übrig bleiben die Wellenleiterstreifen (-rohre, -bretter). Um Filme herzustellen, nimmt man ueblicherweise einfach die Rohmaterialien, heizt sie ganz stark auf und laesst die Daempfe auf einer Unterlage, dem Substrat, abscheiden. Wir machen es anders. Wir loesen unser Standard-Chalcogenidglas Arsensulfid (geht auch mit einigen anderen) in einem Loesungsmittel auf, so dass wir es fluessig verarbeiten koennen und dann nur noch das Loesungsmittel abdampfen lassen muessen.
Diese Verfahren hat ganz viele Vorteile, z.B. kann man damit gezielt Wellenleiter auf dasselbe Substrat wie den Laser aufbringen.

Meine Aufgabe besteht darin, den Aufloesungsprozess der Rohmaterialien (kristallines Arsensulfid) in verschiedenen Loesungsmitteln (primaere Amine, z.B. Propylamin, Ethylendiamin) zu untersuchen und zu verstehen, um auf ihn Einfluss nehmen zu koennen. Ausserdem schaue ich mir an, wie stabil diese Loesungen sind, ob sie sich aendern, wenn sie Ewigkeiten Luft und Licht ausgesetzt sind (tun sie) und was bei diesen Veraenderungen chemisch vor sich geht. Manchmal kann man in der Loesung keine Veraenderung messen, obwohl sie stattfindet, dann mache ich duenne Glasfilme und schau mir die an.

Meine Methoden sind: FT-IR und UV-Vis Spektroskopie, Rheologie, Dynamic Light Scattering (fuer Partikelgroessenverteilung), DSC (fuer Phasenuebergaenge), SEM und EDX (fuer chemische Zusammensetzungen), AFM (fuer Oberflaechenmorphologie).

Noch Fragen? ;-)

13 July 2010

Und was macht ihr so?

Bis vor drei Monaten fühlte ich mich immer ausreichend darüber informiert, was ihr so macht. Die wöchentlichen Kneipengänge, die Telefonate, diverse Feiern, Sport und vor allem Klatsch und Tratsch haben mich immer auf dem Laufenden gehalten.

Da das ja nun vorbei ist, und ich mich sozusagen von der Zivilisation Außenwelt abgeschnitten habe, muss mich auf unbestätigte Sekundärquellen verlassen. Zum Glück habe ich ja meine eigene kleine Welt in meinem Kopf und da geht so einiges:

Meine Eltern genießen die Sommerferien, dabei versteckt sich meine Mutti vor der Hitze im Haus, liest und spielt Gitarre oder Cello, während mein Vati schwarzbraun im Garten in der Sonne brutzelt und sich keine Gedanken darüber macht, wie er seine Schüler im nächsten Schuljahr quälen wird. Das ist ihm nämlich im Moment noch schnuppe. Nur zum Hardausee-Ausflug und zu Erdbeerbowle bei den Nachbarn lässt sich meine Mutti aus dem Haus locken. Ulli macht Motorrad-Ausflüge zur Ostsee und zeltet dort, Hannes zieht abends mit den Kollegen um Hamburgs Häuser. Ab und zu sitzen beide auch in ihren klimatisierten Büros und trinken Kaffee - oder arbeiten ein bisschen. Mathias repariert Generatoren in China, scheffelt dabei ordentlich Euros und lernt chinesischen Schnaps zu trinken.

Dirk schwebt auf Wolke 7 über Norddeutschland und geht nach all der Aufregung und Auszeichnung eine Runde beachen. Inga betreut ihre Kollegen und kommt dabei nicht zum Schreiben - trotzdem geht sie noch fleißig zum montags-Aerobic und ab und zu auch schwimmen - natürlich nicht zu oft, damit sie ihren Gatten beim Oberarmvergleich nicht beschämt. Wiebke hat runde Ergebnisse und kommt beim Schreiben ganz gut voran, sie findet es aber schade, dass sie die Mitglieder der Kneipenrunde nur noch selten sieht. Annika arbeitet 14 Stunden am Tag, vergisst dabei aber nicht das Volleyball-Training und soziale Verpflichtungen - schläft dafür halt weniger. Aber dafür hält ja Daniel die Wohnung tipptopp in Schuss und geht sonst mal hier und da zu einem Vorstellungsgespräch. Er findet es prima, sich nicht mehr um seine Diss kümmern zu müssen, aber so langsam hätte er ja doch schon mal ganz gerne einen Plan, was als nächstes kommt und wohin es ihn verschlägt. Grobi ist Dienstagsabends immer traurig, weil ich nicht zum Training komme und er sich immer mit diesen jungen, langbein- und -haarigen Hühnern einspielen muss, die aus ihren großen blauen Augen mit ehrfurchtsvollen Blicken bewundernd zu ihm aufschauen. Katharina versorgt ihre Biologen mit 1A-Analytik, wobei ihr der ganze Gen- und Zellkram aber weiterhin suspekt ist. Deswegen verschwindet sie lieber mal ein bisschen in die alte Heimat, Schottland. Kristina und Erich kommen noch immer regelmäßig mittwochsabends in die Kneipe und treffen dort manchmal Inga oder Thies und alle zwei Monate mal Martin, dem inzwischen mulmig wird, nun, da alle um ihn herum auf einmal ganz plötzlich promovieren wollen. Er will ja auch.

Ich habe also so meine Vorstellungen, aber das entschädigt mich nicht dafür, mit euch mittwochs kein Bier trinken gehen zu können, dienstagsabends den jungen Hühnern nicht zeigen zu können, wo der Hase läuft, euch am Wochenende nicht zufällig in der Stadt über den Weg zu laufen, euch nicht einfach mal abends anrufen zu können, weil ihr da alle tief und fest schlaft. Und das wollte ich einfach mal so gesagt haben. Wenn der Urlaub auch noch so schön ist, nach einer gewissen Zeit vermisst man doch das Zuhause.

10 July 2010

BBQ on the stairs

Meine lieben Leser - gibt es Euch eigentlich? Manchmal denke ich, niemand liest die packenden Geschichten über mein spannendes Leben in Amerika. Das erinnert mich an meine Dissertation, die liest auch keiner.

Mäuschen, sagt mal piep!

Aber ich kenne ja meine sensationsgierigen Pappenheimer, ihr wollt mehr Bilder und weniger Text, durchschaut hab ich Euch! Daher nun mal wieder eine Foto-Story anstatt der üblichen langatmigen Landschaftsbeschreibungen.

Samstag vor einer Woche war ein ganz normaler typischer Samstag. Nach einem Frühstück in Jens' WG mit Croissants für alle machten wir uns auf den Weg zu Betty Bubbles Car Wash, um Nicks Auto zu waschen und dann im Anschluss in unserem Lieblingssupermarkt Wegman's die Ingredienzien für einen Grillabend zu beschaffen.



Als das Auto schließlich sauber und wir alle durchnässt waren, ging es in einem streifenfrei glänzenden Mercedes zum Einkaufen. Dabei wurde auch diesmal nicht versäumt, das Auto in einem Sicherheitsabstand von 8 m (8,7 Yard) zu den herumstreunernden und potentiell gefährlichen, weil kratzerverursachenden, Einkaufswagen abzustellen. Der sicher geparkte Wagen wurde mit Wurscht, Burgern, New Jersey Sweetcorn, Shrimps und Alibi-Salat gefüllt und nach einem Abstecher zu Joe Canal's Discount Liquor ging es nach Haus, um das Projekt Grillabend zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen.

Es gab Wein:



Aber einige beschränkten sich auf Wasser:



Es gab einen Grillmeister (derjenige mit dem klaren Kopf):



Chicks:



Und ein Feuer, welches zum Reminiszieren verleitete:



The End.

8 July 2010

Postkarte


Liebe Doktorand/Innen,

denjenigen unter Euch, die gerade eine schwere Zeit durchmachen (mal abgesehen von den ersten zwei Wochen - gibt es eigentlich auch nicht-schwere Zeiten während der Promotion?), sei zur Motivation gesagt:
Postdoc ist wie Urlaub!

Diese gewagt erscheinende These kann ich wie folgt untermauern:

1. Forschen macht wieder Spaß - demnach hab ich den ganzen Tag Spaß.

2. Ich bin so braungebrannt wie seit meiner Kindheit nicht mehr.

3. In den letzten drei Wochen war ich dreimal am Strand.

4. Ich gehe mindestens viermal in der Woche auswärts essen.

5. Ich trage seit Monaten fast ausschließlich Flip-Flops an den Füßen (Fußsicherheit im Lab hat hier eine geringe Priorität).

6. Manchmal gehe ich nur zur Arbeit, weil es dort klimatisiert ist .

Ok, Punkt 6 ist gelogen, natürlich gehe ich gerne ins Lab, siehe Punkt 1. Mir geht es gut, wie geht es euch? Das Wetter ist schön, aber ein bisschen heiß. Schöne Grüße aus dem sonnigen Princeton,

Eure Maike

Eieiei...

...ja ist denn schon Juli? Das fragte ich mich vor wenigen Tagen, als mich mein Landlord per Notiz an der Tür freundlich darauf hinwies, ihm doch die Miete bei Gelegenheit per Scheck unter der Tür durchzuschieben. Mein schlechtes Gewissen hielt sich jedoch in Grenzen, zumal er erst die Woche davor spontan den Zahlencode der Haustür geändert hatte, ohne die jeweiligen Mieter im Voraus darauf hinzuweisen. Dumm, wenn man in Eile und nicht im Besitz der Vermieter-Telefonnummer ist. Nun ja, als ich diese organisiert und ihn für amerikanische Verhältnisse ziemlich zur Sau gemacht hatte, war ich dann doch nicht zu spät dran - aber wer mich kennt, weiß, dass ich äußerst ungern unpünktlich bin.

Wobei ich beim Thema bin. Letzte Woche war ich bei Postdoc-Nick zum Barbecue eingeladen - und da wollte ich nicht zu spät zu meiner Mitfahrgelegenheit kommen. Der Name Postdoc-Nick mag seltsam anmuten, hilft aber bei der Unterscheidung von regular Nick, dem Grad-Studenten in meiner Gruppe, sowie von Jens' Landlord/Roommate Nick. Postdoc-Nick hatte die Gruppe zum Abschiedsgrillen eingeladen, da er nach einem halben Jahr in seine Heimat nach Frankreich zurückkehren sollte. Der amerikanische Grad-Student an sich ist nicht übermäßig sociable, daher trafen sich nur die vier Postdocs, welche alle aus Europa kommen, sowie eine chinesische Grad-Studentin und der Boss. Es gab von Postdoc-Nick selbst eingelegte Curry-Hähnchen-Teile, spicy Shrimps-Spieße, Salat, Burger, Bier, Scotch (extrem torfig - nix für unsern Dirk) und meine neuste Entdeckung: Chartreuse.
Von einer Handvoll auserwählter Kapuzinerkressemönche in Chartre handgebraut nach einem überlieferten, Jahrtausende alten Geheimrezept mit über 170 Kräutern, welches erst nach dem Ableben eines Mönchs weitergegeben wird. Wie auch immer, war lecker, das Zeug.

Es gab Lagerfeuer, Marshmallows, Hühner (nur zum Streicheln, die waren der Eier wegen selbstgezogen, aus Küken, welche per Post im Paket mit Löchern kamen - wider Erwarten haben alle acht überlebt) und ich hatte einen super Abend.

28 June 2010

Roadtrip Teil III - Cape Canaveral

Ich würde ja der Vollständigkeit halber gerne etwas über unsern Besuch im Kennedy Space Center in Cape Canaveral berichten, aber die Fotos geben nicht wieder, wie groß die Raketen, wie spannend der Blick auf die Abschussrampen und wie unangenehm vorverdaut die Art der Präsentation war. Also nur ein kleiner Einblick. Große Raketen:



Abschussrampe:



Und die Vermittlung von Wissen stellte sich so dar, dass man von einer Station zur nächsten gefahren wurde und sich im Bus kleine Filmchen anschaute, die mit pathetischer Musik unterlegt die Leistungen der amerikanischen Raumfahrt pries. Bei der nächsten Station angekommen, gab es dann einen weiteren Film und anschließend schaute man sich die Exponate an. Alles in allem ziemlich eindrucksvoll und den Raketenstart ein paar Wochen darauf habe ich mit großem Interesse verfolgt.

16 June 2010

Roadtrip Teil II - Celebration

Florida hat nicht nur Miami und Strand zu bieten, nein, es beherbergt auch das Great American Pie Festival und so machten wir - durch entsprechende Poster am Highway darauf aufmerksam und neugierig geworden - uns auf nach Celebration. Gibt es einen Ort mit einem angemesseneren Namen für eine Veranstaltung dieser Bedeutung?

Ich denke nicht.

Celebration liegt in der Nähe von Orlando und wir ließen Disneyworld links liegen, denn in Celebration erwartete uns ein Pie-Back-Wettbewerb, Pie-Wettessen und Pie - all you can eat. Besonders der letzte Punkt wirkte sehr motivierend auf Jens, und mit großer Spannung nahmen wir die mehrstündige Reise ins Innere Floridas auf uns.

Wir wurden nicht enttäuscht. Bei großartigem Wetter reihten sich in einer Parkanlage zwischen Bäumen und an einem See verschiedene Buden aneinander:


Es gab eine Bühne auf der das Wettessen stattfand, welches wir leider (?) verpasst hatten - stattdessen tanzten ein paar Kinder herum, die man als Pie verkleidet hatte, während die Siegerehrung des Pie-Backwettbewerbs vorbereitet wurde:


Und der wichtigste Tagesordnungspunkt - Pie, soviel man essen kann - fand auch statt. Ich denke, wir hatten etwa jeder 5 Stück:


Als uns dann ausreichend schlecht war, ging es zum Ausgleich für diese enorme Kalorienzufuhr zum Outlet-Center, welches zufällig auf dem Weg zu unserm Hotel lag, denn Shopping ist auch Sport. Ich frag mich manchmal, wie weit der Eurokurs noch sinken muss, bis ich mir die Preise hier nicht mehr schönrechnen kann.

15 June 2010

Meine neue Wohnung

Am Sonntag habe ich meine neue Wohnung besichtigt. Eigentlich ist es eher ein Häuschen:


Dies ist meine Bibliothek:


Mein persönliches Zimmer, in das ich mich bei Bedarf zurückziehen kann (drawing room):


Mein Wohnzimmer:


Und schließlich der Master Bedroom, mein Schlafzimmer:


Dann bin ich aufgewacht und musste feststellen, dass ich gar nicht Thomas A. Edison bin und wir uns auch nicht am Ende des 19. Jahrhundert befinden...

Hiking in Pennsylvania

Das Gute an New Jersey ist, dass man es nicht weit nach Pennsylvania hat. Pennsylvania hat die Appalachen und die laden zum Wandern ein. Der Plan war also, am Samstag vormittag Wanderschuhe und Mückenspray zu packen und dann sollte es auf nach Pennsylvania gehen. Der Jens, ich und der Nick, der für jeden Spaß zu haben ist (und ein Auto hat) verabredeten uns also so um zwölfish bei den Jungs in der Wohnung, so dass ich vorher noch die Gelegenheit beim Schopfe packen und mir eine schöne Wanderhose kaufen konnte. Perfekt ausgestattet ging es dann gegen halb zwei pünktlich los, und wir mussten nur noch unterwegs das Auto abgeben, welches Nick über Nacht zum Probefahren behalten hatte.

Dazu muss man wissen, dass er schon seit Monaten ein Auge auf einen bestimmten Fahrzeugtyp geworfen hatte, welcher in New Jersey und Umgebung einfach nicht erhältlich war. Nun ergab es sich aber so, dass er schließlich doch ein Exemplar finden konnte und just an diesem Freitag ein Besichtigungstermin ausgemacht worden war und nach sechs Stunden - von Seiten der Verkäufer erfolgloser - Verhandlung der Wagen zur weiteren Inspektion über Nacht mitgegeben wurde.

Am Samstag sollte der Wagen also zurückgebracht werden, um dann einen moderat schwierigen Hiking-Trail zu meistern, welcher einen Blick auf Philadelphias Skyline versprach und innerhalb von vier Stunden zu bewältigen sein sollte.
Um das Ganze nun hier abzukürzen und die Darstellung nicht entsprechend des eigentlichen Erlebens in die Länge zu ziehen: Wir waren gegen drei Uhr nachmittags beim Autohändler, zwei Stunden später waren sich die Verhandelnden einig (und vorher ließen sie uns auch nicht gehen - und das ist wörtlich zu verstehen!), und gegen acht Uhr abends war der Papierkram erledigt. Den einzigen View, den ich am Samstag in Pennsylvania bekommen konnte, war der auf einen neuen gebrauchten Mercedes BlueTec:

7 June 2010

Sonntag waren wir in New York City, ich zum Shoppen, Jens und Patrick um ihrem Studienfreund Carsten, welcher von einer Konferenz in LA kam, bei uns zwischenstoppte und zum ersten Mal New York besuchte, die Highlights der Stadt zu zeigen. Wir waren alle sehr erfolgreich, ich habe zum Beispiel eine Turnhalle entdeckt, in der junge New Yorker Designer ihre Werke ausstellten und verkauften: Kleidung, Schmuck, Bilder,... Habe eine sehr tolle Designerin entdeckt und vermutlich ihre Juni-Miete finanziert. @Annika: Ich glaub, das magst du auch!

Abends gings dann zum Italiener in Little Italy und dann standesgemäß in der Stretch-Limo zum Bahnhof - es war gerade kein normalgroßes Taxi zur Hand.

1 June 2010

Reunions

Letztes Wochenende häufte sich in Princeton die Zahl gesichteter alter Zausel in sonderbaren orangefarbenen Gewändern, unterwegs in Golfcarts.

Was war los?

Wie jedes Jahr hatte die Universität Princeton zu ihren berühmt/berüchtigten Reunions geladen. Das ist ein Klassentreffen der besonderen Art, da Princetons Alumni die Universität in besonders hohem Ausmaße mit Spendengeldern unterstützen. Die Universität Princeton steht anscheinend sogar an der Spitze der Empfänger von Alumni-Spendengeldern. Um die großzügigen Damen und Herren bei Laune zu halten, wird daher einmal im Jahr von Donnerstag bis Samstag einiges aufgefahren.

Tagsüber gibt es einiger Alibi-Veranstaltungen, bei denen berühmte Alumni Vorträge halten, oder an Podiumsdiskussionen teilnehmen. Die nicht ganz so berühmten (sondern einfach nur reichen) Alumni hören zu, diskutieren mit oder treffen sich mit den einzelnen Studentengruppierungen (Ruderclub, A-Capella-Chor, Schwulen/Lesben/Transsexuellen-Vereinigung, Theatergruppe, ...) von "damals", um in verschiedenen formlosen Veranstaltungen gemeinsam zu reminiszieren.

Abends beginnt dann allerdings der wichtigste Part, und auch der eigentliche Grund dafür, dass jedes Jahr tausende Alumni lange Reisen auf sich nehmen, in Dorms oder Motels (!) übernachten und sich ihre unförmigen Jacken überstülpen: Der gesamte Campus ist ein einziges Bierzelt mit Freibier!
Nun weiß der Amerika-Reisende, dass die schöne deutsche Gewohnheit, auf öffentlichen Plätzen Bier zu trinken, hier leider untersagt ist - die Auslegung dieses Gesetzes kann jedoch etwas gedehnt werden (da man als Campus Polizei ja indirekt von den Alumni bezahlt wird), indem man einfach einige Holzzäune und Bierzelte auf dem Campus verteilt und vier bis fünf Augen zudrückt.

Diejenigen, welche am Samstagnachmittag nach zwei Nächten massiven Bierkonsums noch laufen (oder Golfcart fahren) können, versammeln sich dann zur P-Rade - ein neckische Wortspiel, bei dem das "P" für Princeton und nicht für "to pee" stehen soll. Die P-Rade ist eine Parade über den Campus, bei der die Alumni nach Jahrgängen sortiert vom ältesten bis zum Jahrgang 2009 ein Spalier aus Studenten und interessierten Zuschauern ablaufen. Dabei tragen sie ihr Beer-Jacket, welches man vielleicht als Äquivalent zu unserm Abi-T-Shirt beschreiben kann. Nur in orange. Das Ganze wird von der Musik der aktuellen Universitäts-Band untermalt, sowie von einigen überlebenden Alumni-Combos und eingeflogenen Marching-Bands im Schotten-Style.

Der älteste Alumni führt den Umzug an und darf dabei den silbernen Stock tragen, welchen er allerdings im Golfcart nicht brauchen sollte. In diesem Jahr feierte er sein 85. Jubiläum und dürfte damit über hundert Jahre alt sein:



Nur zehn Jahre jünger ist dieser Herr:



Dieser kann nicht nur noch laufen:



Und diese tragen ihr Alter mit Fassung (großklickbar):



Alles in allem eine großartige Veranstaltung - für Alumni und ihre Familie, welche nicht selten ebenfalls Princeton Alumi sind. Dem Außenstehenden wurde schnell langweilig und er konzentrierte sich lieber auf sein Kaltgetränk und freute sich auf die krönende Abschlussveranstaltung, das große Feuerwerk, welches mit emotionaler Musikuntermalung die Veranstaltung offiziell beendete.





24 May 2010

10 things I like about Princeton

1. Ich kann an einem beliebigen Tag im Abendkleid durch die Stadt laufen kann und falle dabei nicht auf.
2. Jane.
3. Small World Coffee.
4. Die Aussicht aus meinem Bürofenster.

5. Die Nobelpreisträgerdichte.
6. Squirrels.
7. Nachts kommen die Heinzelmännchen und putzen alle Straßen blitzeblank.
8. Die gutgebauten Studenten, die nur mit einer orangen Badehose bekleidet den "Fountain of Freedom" reinigen (leider ohne Foto).
9. Die Nähe zu New York.
10. Frisches Obst und Gemüse.

How are you?

Was bedeutet eigentlich "How are you?" - eine Frage, die mir mehrmals täglich gestellt wird, seit ich amerikanischen Boden betreten habe und mich noch immer regelmäßig in Verwirrung stürzt. So wundere ich mich, dass sogar der Müllmann wissen will, wie es mir geht. Dabei kann "How are you?" Verschiedenes bedeuten:

a) In den allermeisten Fällen: Hi!
b) Unter engen Freunden: How are you?
c) Beim Treffen mit dem Boss: How is your work?

Was leider immer noch nicht die Frage klärt, wie man eigentlich darauf antwortet...

Roadtrip Teil I - Miami

Bevor ich mit meinem Postdoc so richtig loslegen wollte, fand ich, dass ich mir nach all den Strapazen doch einen kleinen Urlaub verdient hatte. Also schnappte ich mir den Jens, Flugtickets nach Miami, dort einen Mietwagen und los ging der ROADTRIP.

Am Flughafen in Miami die erste Überraschung: Unser Mietwagen war zwar vorbestellt und auch da, aber offensichtlich hatte ich keinerlei Versicherung mitbestellt (ich war mir sicher, dass ich die entsprechenden Kästchen bei der Online-Buchung angekreuzt hatte), was das ohnehin schon ziemlich kostspielige Unternehmen nochmals um 50 % verteuern sollte. Schluck. Wir nahmen es hin, stiegen in unsern Flitzer (Chevrolet Impala V8) und suchten unser Hotel auf, ein prima Best Western in North Miami.

Frühstück gab es am nächsten Tag dann im angrenzenden Café, welches an Kaffeespezialitäten leider nur regular coffee mit regular milk zu bieten hatte. Auch die Rechnung war zum selbst Zusammenaddieren und wenn man nicht die aktuellen Steuersätze von Bundesstaat und County zur Hand hatte, musste man eben kreativ sein. Gestärkt schauten wir uns dann South Beach an, früher mal die Bühne für perfekt aussehende Menschen, inzwischen konnten aber selbst wir uns auch unauffällig unters Volk mischen. South Beach glänzte einmal durch seine Art Déco Häuschen in der Shoppingmeile, diese waren allerdings ein wenig heruntergekommen und ich fand die Privatvillen einiger sehr reicher Leute eindrucksvoller. Etwas Einzigartiges bekamen wir aber dann doch zu sehen: ein paar nette Jungs, die Turnen übten.














Um uns nach diesem Anblick abzukühlen, was lag da näher, als in den Atlantik zu springen? Der lockte mit türkisfarbenen Wasser und einem postkartenmotivwürdigen weißen Strand. Schnell stellten wir jedoch fest, dass das Abkühlen so nicht funktionieren würde, denn das Wasser war etwa 30 °C warm. Aber schön. Und nach ein bisschen Planschen schlossen wir den Strandbesuch mit einem Strawberry-Cheesecake-Eis ab.





Im Anschluss wollten wir uns noch ein wenig in Miami Downtown verfahren - hat wunderbar geklappt, und diese Erfahrung ist auch unbedingt empfehlenswert, denn Miami Downtown ist wie ein Vergnügungspark, nur dass die Achterbahnen hier Highways sind, welche kreuz und quer und auf mehreren Ebenen durch die Stadt führen. Miami besitzt neben dem normalen, netzartigen Straßennetz eine Interstate Autobahn, fünf Expressways und eine turnpike extension. Eh man sich versieht, befindet man sich plötzlich über den Dächern der kleineren Häuser und hat einen großartigen Blick auf die Skyline. Ich fand's toll, Jens (am Steuer) wirkte etwas unentspannt.

Abends gab's dann organic Pizza und beet salad vor einen wunderschönen Sonnenuntergang mit Palmen.

23 May 2010

Celebrities

Jens wohnt in einer Dreier-WG zusammen mit einem französischen Postdoc, Michael, und seinem Landlord, dem Australier Nick, einem erfolgreichen Geschäftsmann in der Pharmabranche.
Sie teilen sich ein Haus mit drei Schlafzimmern, Bad, großer Küche, Esszimmer und Wohnzimmer. Ich mag die drei Jungs und ihr Haus so gerne, dass ich ständig dort herumhänge und manchmal schon als Teil ihrer WG angesehen werde. Zum Beispiel nehmen sie mich auf ihrem wöchentlichen Shopping-Trip zu Wegman's mit. Dort kaufen wir immer 1-2 Stunden lang Lebensmittel ein und gehen dann irgendwo Burger essen.


Nicks Bruder Andrew ist Chefkoch in einem sehr guten Restaurant in New York. Er rief am Montag Nick an, weil Bill Clinton in seinem Restaurant saß und er ihn bekochen durfte. Für ein Foto traten die Bodyguards auch kurz mal beiseite.

Kein Foto gibt es leider von dem Moment, als Jens und ich Smalltalk mit Daniel Tsui, einem der Nobelpreisträger für Physik im Jahr 1998, betrieben. Diese Situation war eine sehr lustige, weil Daniel ein sehr fröhlicher Mensch ist und Jens immer anlacht, wenn er ihm auf dem Flur begegnet. Offiziell vorgestellt waren sie einander jedoch noch nicht, als wir Daniel bei einer förmlichen Festlichkeit für Jens' Boss trafen und er fragend in unsere Richtung gestikulierte, wie um zu erfahren, ob da was geht zwischen Jens und mir. Jens wusste nicht, wie man sich beim Treffen mit Nobelpreisträgern gesellschaftlich korrekt verhält, insbesondere weil er mich gerne vorstellen wollte. Das war zu lustig im Nachhinein und etwas surreal. Letztendlich weiß ich gar nicht mehr, worüber wir geredet haben, da ich ihn wegen seines Akzentes nicht so gut verstanden habe und mir die ganze Zeit nur durch den Kopf ging: Wow - Small Talk mit einem Nobelpreisträger!