Letztes Wochenende häufte sich in Princeton die Zahl gesichteter alter Zausel in sonderbaren orangefarbenen Gewändern, unterwegs in Golfcarts.
Was war los?
Wie jedes Jahr hatte die Universität Princeton zu ihren berühmt/berüchtigten Reunions geladen. Das ist ein Klassentreffen der besonderen Art, da Princetons Alumni die Universität in besonders hohem Ausmaße mit Spendengeldern unterstützen. Die Universität Princeton steht anscheinend sogar an der Spitze der Empfänger von Alumni-Spendengeldern. Um die großzügigen Damen und Herren bei Laune zu halten, wird daher einmal im Jahr von Donnerstag bis Samstag einiges aufgefahren.
Tagsüber gibt es einiger Alibi-Veranstaltungen, bei denen berühmte Alumni Vorträge halten, oder an Podiumsdiskussionen teilnehmen. Die nicht ganz so berühmten (sondern einfach nur reichen) Alumni hören zu, diskutieren mit oder treffen sich mit den einzelnen Studentengruppierungen (Ruderclub, A-Capella-Chor, Schwulen/Lesben/Transsexuellen-Vereinigung, Theatergruppe, ...) von "damals", um in verschiedenen formlosen Veranstaltungen gemeinsam zu reminiszieren.
Abends beginnt dann allerdings der wichtigste Part, und auch der eigentliche Grund dafür, dass jedes Jahr tausende Alumni lange Reisen auf sich nehmen, in Dorms oder Motels (!) übernachten und sich ihre unförmigen Jacken überstülpen: Der gesamte Campus ist ein einziges Bierzelt mit Freibier!
Nun weiß der Amerika-Reisende, dass die schöne deutsche Gewohnheit, auf öffentlichen Plätzen Bier zu trinken, hier leider untersagt ist - die Auslegung dieses Gesetzes kann jedoch etwas gedehnt werden (da man als Campus Polizei ja indirekt von den Alumni bezahlt wird), indem man einfach einige Holzzäune und Bierzelte auf dem Campus verteilt und vier bis fünf Augen zudrückt.
Diejenigen, welche am Samstagnachmittag nach zwei Nächten massiven Bierkonsums noch laufen (oder Golfcart fahren) können, versammeln sich dann zur P-Rade - ein neckische Wortspiel, bei dem das "P" für Princeton und nicht für "to pee" stehen soll. Die P-Rade ist eine Parade über den Campus, bei der die Alumni nach Jahrgängen sortiert vom ältesten bis zum Jahrgang 2009 ein Spalier aus Studenten und interessierten Zuschauern ablaufen. Dabei tragen sie ihr Beer-Jacket, welches man vielleicht als Äquivalent zu unserm Abi-T-Shirt beschreiben kann. Nur in orange. Das Ganze wird von der Musik der aktuellen Universitäts-Band untermalt, sowie von einigen überlebenden Alumni-Combos und eingeflogenen Marching-Bands im Schotten-Style.
Der älteste Alumni führt den Umzug an und darf dabei den silbernen Stock tragen, welchen er allerdings im Golfcart nicht brauchen sollte. In diesem Jahr feierte er sein 85. Jubiläum und dürfte damit über hundert Jahre alt sein:

Nur zehn Jahre jünger ist dieser Herr:

Dieser kann nicht nur noch laufen:

Und diese tragen ihr Alter mit Fassung (großklickbar):

Alles in allem eine großartige Veranstaltung - für Alumni und ihre Familie, welche nicht selten ebenfalls Princeton Alumi sind. Dem Außenstehenden wurde schnell langweilig und er konzentrierte sich lieber auf sein Kaltgetränk und freute sich auf die krönende Abschlussveranstaltung, das große Feuerwerk, welches mit emotionaler Musikuntermalung die Veranstaltung offiziell beendete.

